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Ausstellung

 

A U S S T E L L U N G

Sebastian Pütz. Vor einem Bild

19.10.2018–06.1.2019

Nach Ruprecht von Kaufmann haben wir uns für unsere zweite Ausstellung in diesem Jahr für einen Künstler entschieden, der sich explizit mit dem BILDbegriff auseinandersetzt und sich dabei auf Motive wie Bäume und Pflanzen konzentriert: Sebastian Pütz ist Fotograf (*1975) und arbeitet in Leipzig und Erfurt. Sein Studium hat er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst absolviert. Seit vielen Jahren durchstreift Sebastian Pütz während ausgedehnter Wanderungen den Thüringer Wald und nutzt ihn als Motivquelle. Sein Interesse gilt aber auch der historischen Fotografie insbesondere dem englischen Fotopionier Henry Fox Talbot (1800–1877).

Ort: Kunsthalle Erfurt

Ausstellungen


AUSSTELLUNGEN 2013

Jens Klein: Hundewege. Index eines konspirativen Alltags

13.12.2013 bis 2.2.2014, Kunsthalle Erfurt

Das fotografische Material der Ausstellung Hundewege. Index eines konspirativen Alltags entstammt einer Quelle, die in der Zeit des Bestehens der DDR im Auftrag der Staatssicherheitsorgane angelegt sowie archiviert wurde und die heute von der Bundesstelle für die Aufarbeitung der Staatssicherheitsunterlagen verwaltet wird.

Dieses fremderstellte Fotomaterial hat der in Leipzig lebende Fotograf Jens Klein gesichtet, ausgewählt und bearbeitet, um es dann in seriellen Bildfolgen und -blöcken zu arrangieren. Geprägt sind die Einzelaufnahmen von einer Schnappschussästhetik, mit der für den heutigen Betrachter scheinbar völlig belanglose Alltagssituationen wie das Einwerfen von Briefen oder das Ausführen von Hunden (beides aus dem Werkkomplex Hundewege, 2011/2012) und dokumentierten Geschehnissen von der innerdeutschen Grenze (aus dem Werkkomplex Himmel, Erde, Wasser, 2012) zum Motiv geworden sind. Aufnahmequalität und -gegenstand sind den Bedingungen des Observierungsprozesses, unter denen sie einst entstanden sind, geschuldet. Die Bilder sind durch die künstlerische Inanspruchnahme aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst, damit wurden ihnen jegliche informativen Bezüge entzogen; sie vergegenwärtigen Geschichte auf eine poetische Art. Es verbindet sich die Vergangenheit mit der Gegenwart – die Zeit der Aufnahme mit der Zeit der Bearbeitung und der Präsentation. Zudem wird durch das Nebeneinander der Bilder mit gleicher Aufnahmesituation der Fokus sowohl auf die Wiederkehr des Geschehens als auch auf die Wahrnehmung der jeweiligen Unterschiede gelegt, die den Betrachter unweigerlich zu einem vergleichend-prüfenden Blick anregen.

Der künstlerische Umgang von Jens Klein mit diesen Bildern enthebt sie ihrer einst belastenden Aussagekraft, führt sie zu einer künstlerischen Aussage, die ihrerseits Fragen zu Überwachung und Kontrolle in einem allgemeingültigen Zusammenhang stellen.

 

Der Erfurter Kunstverein möchte mit der Ausstellung Hundwege. Index eines konspirativen Alltags an die zeitgleich in der Kunsthalle Erfurt stattfindende Ausstellung Zwischen Ausstieg und Aktion anknüpfen und mit ihr die Geschichtsaufarbeitung im Rahmen der aktuellen Kunst fortführen.


        

 

                

 

 

 

SUPERREAL.

Marc Fromm und Oliver Mark – Skulptur und Fotografie

25.05. bis 30.06.2013, Galerie Waidspeicher

Eine Ausstellung des Erfurter Kunstvereins

 

Marc Fromm, Ausstellungsansicht

 

 

 

Ein Mann im Wald mit Tieren
Sigmar Gabriel, Ehemaliger Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Foto: © Oliver Mark
 

Dass der Popkultur und dem Alltag auch etwas Überreales anhaften kann, zeigen die Arbeiten von Marc Fromm (Berlin) und Oliver Mark (Berlin) in der Ausstellung Superreal. des Erfurter Kunstvereins. Sie sind Künstler, die sich mit den Werten und Idolen unserer Gesellschaft auseinandersetzen und in ihren Arbeiten die mediale Inszenierung unserer allgegenwärtigen Popkultur thematisieren.

Die Skulpturen von Marc Fromm erinnern in der Sorgfalt ihrer Ausführung an die kirchliche Schnitzkunst des Mittelalters. Ihre Spannung liegt in der Gegensätzlichkeit: In der Form der aufwendigen traditionellen Umsetzung widmet er sich thematisch der kommerzialisierten Popkultur und hinterfragt damit Werte und Beschaffenheit unserer heutigen Gesellschaft. Er reinszeniert u.a. Kunstgeschichte, indem er ihre Motive in Bildformeln unseres Alltags transformiert und dabei ganz eigene Interpretationen schafft, die unsere Suche nach Leit- und Wunschbildern im Jetzt zum Ausdruck bringen. Die traditionelle handwerkliche Ausführung seiner Werke bezeugt dabei deren Echtheitscharakter.

Superglatt, superglänzend und superreal sind die Fotografien von Oliver Mark, dessen Porträtliste sich wie das Who is Who aus Politik, Business, Kunstmarkt und Unterhaltung liest. Seine Protagonisten werden in ihrem jeweiligen Umfeld inszeniert, zugleich inszenieren sie sich auch selbst und schaffen so neue Erzählräume. Es sind Personen, die als Figuren unserer medialen Welt bereits zu unserem Alltag gehören, aber nicht greifbar sind und die wir doch anhand der Bilder näher zu kennen glauben. Die Fotografien verfolgen einen ganz zeitgemäßen Ansatz und entlocken dem Besucher gleichzeitig neue Sichtweisen auf Altbekanntes. In Bezug auf Gestaltung und Inszenierung der Bildsujets werden zwei verschiedene Ansätze präsentiert, die diesen „realen“ und doch paradoxen Phänomenen unserer auf das Äußere und die Oberfläche konzentrierten und nach Orientierung suchenden Gesellschaft nachgehen.

In der Ausstellung begegnen dem Besucher Fotografien mit Ai Weiwei, Jonathan Meese und Sigmar Gabriel genauso, wie Skulpturen mit dem Titel "11 Freunde", ein schwebender Asia-Imbiss als "Krippe" und das klassische Motiv des Faun neu interpretiert.

 

 

 

 

AUSSTELLUNGEN 2012

Licht an! Das Nachtmuseum

21.9.–14.10.2012, Erfurter Kunstverein im Stadtraum

Impressionen

Philipp Geist, Lighting up Time, 2012, Video-Fassaden-Installation, Ton

 

 

Philipp Geist, Lighting up Time, 2012, Video-Fassaden-Installation, Ton

 

Jens Schader, Passage, 2010, Lichtprojektion, Klangcollage (Rüdiger Seibert)

 

Thomas Lüer, Schläfer, 2007, 1-Kanal-Videoprojektion, 4 min

 

Mioon, With or Without You, 2010, Videoprojektion, 4:43 min, (Aufbau)

  

 

Photofolies en Touraine – Aktuelle Fotografie aus Frankreich

6.7. bis 12.8.2012, Haus Dacheröden, Anger 37

Eine Ausstellung des Erfurter Kunstvereins

 

Jumi Bae I Nathalie Blanchard I Rachel Pugnère I Gabriel de Vienne

In Zusammenarbeit mit „PhotoFolies en Touraine“ konzipiert der Erfurter Kunstverein e. V. eine Ausstellung junger franzö-

sischer Fotografie. Gezeigt werden vier Positionen, die einen Ausschnitt der Gegenwartsfotografie unseres Nach-

barlandes präsentieren. 

                  

  Jumi Bae                                                                                            Nathalie Blanchard                        

 

          

 Rachel Pugnère                                     Gabriel de Vienne

 

 

 

Klangfarbe

24.04.–01.07.2012, Rathausgalerie, Fischmarkt 1

Eine Ausstellung des Erfurter Kunstvereins

September

SUPERREAL. Marc Fromm und Oliver Mark – Skulptur und Fotografie

Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken

25. Mai bis 30. Juni 2013

 

Nicht nur im Film und Fernsehen gezeigte Stars und Sternchen, sondern auch Werbeanzeigen im Internet und im öffentlichen Raum prägen unsere Sehgewohnheiten und unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit. Dass Popkultur und Alltag auch etwas Überreales anhaften kann, zeigen die Arbeiten von Marc Fromm (Berlin) und Oliver Mark (Berlin). Sie sind Künstler, die sich mittels unterschiedlicher Medien mit den Werten und Idolen unserer Gesellschaft auseinandersetzen.

 

Die Skulpturen von Marc Fromm erinnern in der Sorgfalt ihrer Ausführung an die kirchliche Schnitzkunst des Mittelalters. Ihre Spannung liegt in der Gegensätzlichkeit: In der Form der aufwendigen traditionellen Umsetzung widmet er sich thematisch unserer kommerzialisierten Popkultur und hinterfragt damit Werte und Beschaffenheit unserer heutigen Gesellschaft. „Die aufs Jenseits gerichtete Symbolik christlicher Bildtafeln wird zum Verlangen im Hochglanz der Werbewelt und das heimelige Ensemble der Geburt Christi verwandelt sich zur rauhen Lebenswirklichkeit am Stehtisch der Imbissbude im Nirgendwo. Präzise und dreidimensional als Relief bzw. Skulptur in Holz durchgearbeitet, duplizieren sie die Verlockungen der Werbewelt und zielen auf die Versuche ihres Nachlebens im Echten. [...] sie sind Klischees. Klischees einer Welt, die sich nicht mehr fragt, was wirklich ist, sondern nur noch, was authentisch scheint.“ (Dr. Ulrich Schramm, 2009)

Indem seine Werke in handwerklicher Tradition ausgeführt sind, bezeugen sie gleichsam deren Echtheitscharakter und irritieren uns durch ihre Ungleichzeitigkeit von Gestaltungsform und Motiv, wobei seine Holzskulpturen die Kunstgeschichte ebenso zitieren wie die Alltagswelt.

 

Der Fotograf Oliver Mark wählt für seine Portraits bekannte Personen aus den Bereichen Business, Kunstmarkt und Unterhaltungsbranche, die er in ihrem Arbeitsumfeld inszeniert und die sich dabei zugleich selbst inszenieren. Den Besucher begegnen Fotografien von Ai Weiwei, Sigmar Gabriel und Max Raabe mit Marilyn Manson, die als Figuren unserer medialen Bildwelt bereits zu unserem Alltag gehören, aber nicht greifbar sind und die wir doch anhand der Bilder näher zu kennen glauben.

Es sind Aufnahmen, die den Star oder das Idol en face festhalten oder ihn inmitten seines repräsentativen oder intimen Schaffensraums zeigen. Zum einen suggerieren die Bilder Vertrautheit und zum anderen werden durch ihr jeweiliges Arrangement selbst Geschichten erfunden. Sowohl das vermeintlich authentische Auftreten der Porträtierten als auch ihre dargestellte(n) Rolle(n) werden durch die Reinszenierung gleichsam konterkariert und bestätigt. Die Fotografien verfolgen einen ganz zeitgemäßen Ansatz und entlocken dem Besucher gleichzeitig neue Sichtweisen von Altbekannten.

 

Besonders in dem Spannungsfeld von der traditionellen Bildhauerarbeit mit dem Material Holz und dem modernen Medium der Fotografie werden in Bezug auf Gestaltung und Inszenierung des Bildsujets zwei verschiedene Ansätze präsentiert, die diesen „echten“ und doch paradoxen Phänomenen unserer auf das Äußere und die Oberfläche konzentrierten und nach Orientierung suchenden Gesellschaft nachgehen.

 

 

                   

             

Marc Fromm, Junge Dame mit Haustier, 2010               Oliver Mark, Oda Jaune, Düsseldorf 2005 Lindenholz, Öl, Puma                                                   Iris Giclee Print, 1/7                  

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Juli-August 2010

_walking_the_borderline_ Skulpturenausstellung
 
16.7.–22.8.2010, Peterskirche Erfurt
 
          
Eingangssituation mit
Simon Schubert, Pip, 2010
 
           
Thorsten Brinkmann, Erfurter Segen, 2010               Hendrik Lörper, Zelle mit Organ (Projekt 6), 2010
Fotos: © Falko Behr (Erfurt)

 


Künstler sind Seismografen, die auf ganz unterschiedliche Weise Strukturen und Entwicklungen in der Gesellschaft aufgreifen, Paradigmen hinterfragen und auf Verschiebung von Gleichgewichten reagieren. Eine Erscheinung, die unsere heutige Realwelt prägt, sind Grenzgänge. Sie treten in verschiedenster Art auf: Man pendelt zwischen Kulturen, Ländern, Arbeitsorten und Berufen.

Grenzgänge in der zeitgenössischen Kunst spiegeln sich in den acht künstlerischen Positionen der Ausstellung _walking_the_borderline_ wider. Sie versammelt skulpturale Werke von jungen deutschen Künstlern, die in ganz verschiedenen Disziplinen ausgebildet sind sowie multidisziplinär arbeiten und sich damit in den Grenzbereichen der Gattungen bewegen bzw. die Grenzen zwischen diesen aufheben. Ihre Skulpturen zeugen von einem erweiterten bildhauerischen Verständnis. Es sind keine Skulpturen im klassischen Sinn: Traditionelle Materialien finden keinen Einsatz, dafür ist ein Rückgriff auf Materialien und Gegenstände unserer Alltagswelt charakteristisch, die dadurch, dass sie in einen künstlerischen Kontext gestellt werden, eine völlig neue Bestimmung erfahren. Die Darstellungen erscheinen häufig als Wiederholungen und Nachempfindungen von Alltagssituationen, -handlungen oder temporären Ereignissen. Unvoreingenommen kann der Betrachter diesen Kunstwerken, in denen er Vertrautes und Bekanntes findet, gegenübertreten. Nach einem ersten Moment des Wiedererkennens, wird der artifizielle Charakter der Arbeiten mit ihren Verfremdungen, Überzeichnungen oder Reduzierungen bewusst und damit die Auseinandersetzung auf eine neue Wahrnehmungsebene gehoben. Die kognitive Wahrnehmung der Werke ist in einigen Fällen für den Besucher auch an eine direkte physische Erfahrbarkeit gekoppelt.
Zudem treten die Arbeiten mit dem Ausstellungsraum in Beziehung – teilweise wird er direkt in die Arbeiten einbezogen, andererseits stehen Raum und Arbeit in einem spannungsvollen Verhältnis. Durch diesen ortsgebundenen bzw. raumgreifenden Aspekt wird die Differenzierung von Skulptur und Installation aufgehoben.

Eine weitere Grenze, die zur Diskussion gestellt wird, ist die Grenze zwischen Realität und Fiktion. Die Werke bewegen sich zwischen den Welten, verknüpfen beide Bereiche, wie auch in unserer Lebenswelt    z. B. durch den Einsatz der digitalen Technik die Unterscheidung von Realität und Fiktion immer schwieriger wird.
Das Spektrum der Arbeiten reicht von Gegenständlichkeit bis zur Abstraktion, wobei der Fokus auf dem Figürlichen liegt. Damit reagiert die Ausstellung auf eine aktuelle Tendenz der zeitgenössischen Skulptur – die Renaissance der figürlichen Darstellung, durch welche die Auseinandersetzung mit sozialen Phänomenen und Strukturen unserer heutigen Gesellschaft auf sehr unmittelbare Weise thematisiert wird. Es geht nicht um das „schöne Bild“. Symptomatisches der gesellschaftlichen Wirklichkeit wie Einsamkeit, Isolation, Identitätsverlust thematisieren u. a. die das Surreale und Absurde aufgreifenden Arbeiten von Simon Schubert. Veronika Veit und Nadine Rennert setzen sich außerdem mit den Beziehungen des Individuums zu sozialen Gruppen und dessen Einbindung in ein soziales Netz auseinander. Die Installationen von Thorsten Brinkmann widmen sich dem Aspekt des Materials, seine Fotografien von Skulpturen nehmen Bezug auf die klassischen kunsthistorischen Gattungen Portrait und Stillleben, wobei sie ihren Gegenstand persiflieren. Auf ganz unterschiedliche Weise treten die Arbeiten von Katja Pfeiffer, Katrin Gaßmann, Hendrik Lörper und Eva Maria Wilde in direkte Auseinandersetzung mit dem Raum. Die bemalten Flächen von Katja Pfeiffer suggerieren eine tiefenräumliche Wirkung. Die Spiegelarbeiten von Katrin Gaßmann spielen mit der Verschiebung von Wahrnehmungen durch ungewohnte Perspektiven und die Kombination von Wort und Bild. Hendrik Lörper schafft einen sich stetig in seinem Volumen verändernden Raum und Eva Maria Wildes Skulpturen sind Reaktionen auf vorgefundene städtebauliche Räume der Metropolen der Welt.

Die gezeigten Positionen sind Reflektionen von Ist-Zuständen, in denen Idylle, Harmonie beziehungsweise das Schöne gebrochen werden, im gleichen Atemzug wie Tradiertes einer aktuellen Befragung unterworfen wird und somit Grenzen verschoben, überschritten und aufgelöst werden.
 

Kuratorinnen: Tely Büchner und Susanne Knorr

2014

 


Suspense. Christian Brandl – Malerei und Grafik

10. Oktober 2014 – 4. Januar 2015, Kunsthalle Erfurt

 


Eine Ausstellung des Erfurter Kunstvereins

 

   

Bach, 2008, Acryl auf Leinwand, 200 x 160 cm     Schlucht, 2009, Öl, Acryl auf Leinwand, 130 x 110 cm

 

Zimmer, 2003, Öl auf Leinwand, 150 x 160 cm

 

Auf den ersten Blick erscheint die figurative Malerei Christian Brandls sehr normal, klassisch verortet, geradezu langweilig - kein Grund also zur Aufregung. Bei näherer Betrachtung jedoch wird eine leichte Spannung spürbar, eine untergründige Beunruhigung - vergleichbar Filmstills aus Hitchcock-Klassikern. Obschon gegenständlich, sind die Bilder Brandls „abstrakt“. Mit wenigen Ausnahmen kann man sie weder zeitlich noch lokal verorten. Seine Protagonisten lässt er in Mode­klassikern der 1960er Jahre auftreten, die den Dresscode bis heute bestimmen: der Herr im dunklen Einreiher mit Clubkrawatte, die Dame im Kostüm oder Etuikleid – scheinbar „zeitlos“, wie heute noch Bilder von den Kennedys, Cary Grant oder Tippi Hedren wirken. Die (Innen-) Architektur drückt die gleiche gepflegte, gutbürgerliche Verwechselbarkeit aus: Streifentape­ten, holzverkleidete oder reinlich verputzte Fassaden, eine etwas angejahrte Haustür oder ein altmodischer Blumenerker. Selbst die Natur, soweit als Garten in des Bürgers Hand, scheint diesem Diktat der zurechtstutzenden Ordnung unterworfen: Man(n und Frau) hat sich im Griff.

 

Dann aber sorgen die in den Bildern angelegten Brüche für „suspense“. Die Figuren Brandls lachen nie, sind häufig angespannt, stehen unter innerem Zwang – mindestens dem, Haltung zu bewahren. Meist schauen sie weg, ins Leere, aneinander oder jedenfalls am Betrachter vorbei. Sie sind allein, mehr noch: isoliert, als ob sie die Präsenz des Anderen als Belastung empfänden – immer kurz vor oder nach einem Krach. Eine Ikonographie der Spannung, der Anstrengung, der Abwendung, der Trennung. Es ist ein hoher Preis, den die Menschen für die Wahrung ihres schönen Scheins zu entrichten haben. Und ein vergeblicher noch dazu: Die Natur entzieht sich der Zähmung. Meer und Gebirge sind per se Metaphern ihrer Urgewalt, aber auch die Wälder sind drohende Baumgebirge, und selbst die Gartenhecken und -büsche wachsen den Besitzern buchstäblich über den Kopf, nur darauf lauernd, bald wieder das Regiment übernehmen und die menschlichen Zähmungsversuche überwuchern zu können. Wo die Natur zerstört wurde, bleiben die Menschen verstört und deprimiert zurück.

 

Die Sprache der Bilder Christian Brandls ist leise, aber unerbittlich. Mit den Stilmitteln von „stills“ zwingt er den Betrachter, das „davor“ und das „danach“ zu denken und macht die Zeit der Menschen zum eigentlichen Thema. Wir sind dabei, so die Botschaft, unsere Zeit mit Oberflächlichem zu vergeuden. Über dem ganzen materiellen Wohlstand haben wir uns selbst, unsere Mitmenschen und den Einklang mit der Natur verloren. Wir sind nicht mehr im Maß mit unserem Leben. Mit dem Leben. Es sind Zustandsbilder der Entfremdung, die Christian Brandl malt und zeichnet.

 

Der Erfurter Kunstverein e. V. widmet sich dem Schaffen des Leipziger Malers und Grafikers erstmals umfassend und zeigt in der Kunsthalle Erfurt 50 Gemälde sowie 30 Handzeichnungen und Druckgrafiken. Die Ausstellung gewährt Einblicke in die Werkentwicklung und Themensetzungen, zugleich werden die erkennbaren Bezüge sowohl zur jungen Leipziger Malerei (Neue Leipziger Schule) als auch gattungsüberschreitend zum Film aufgezeigt.