HELLEN NABUKENYA. TUWAYE – LET'S TALK

14.08. bis 18.10.2020 |

| Kunsthalle Erfurt

Die Künstlerin Hellen Nabukenya (geb. 1983 in Jinja, Uganda) bewegt sich mit ihren Arbeiten auf der Grenze von Kunst und Kunsthandwerk: Sie fertigt aus landestypischen Stoffen Teppiche, Kleidung und Accessoires. Ihre Installationen aus Alttextilien für den Innen- und Außenraum realisiert eine Gruppe von Frauen nähend und knüpfend nach Hellen Nabukenyas Entwürfen. Auch für den raumgreifenden Teppich Gyetuva [dt.: Woher wir kommen] vermittelte die Textilkünstlerin in ihrem Open-Air-Atelier in Kampala dem weiblichen Kollektiv die Handfertigkeiten des Nähens und Knüpfens. Den Frauen gab sie damit – neben dem eigenständigen Gelderwerb – eine sinnstiftende Tätigkeit und somit eine Strategie der Selbstermächtigung an die Hand. 

 

Hellen Nabukenyas Arbeiten machen dem Betrachter ein Angebot: Tuwaye – Let’s talk
Sie laden ein, den Gesprächsfaden aufzunehmen, der sich schon im von Gesängen begleiteten Arbeitsablauf zwischen den Frauen entspann. Das Betreten der Teppiche ist notwendig, um sich nieder- und dann einzulassen auf die sechs Lebens- und Erwerbsgeschichten der Frauen. Aufgenommen wurden diese in der in Uganda weit verbreiteten Bantusprache Luganda, dann ins Englische und schließlich ins Deutsche übersetzt. Transfer ist dem textilen Kunstwerk von Beginn an in seinem Werden bis hin zur Installation und Vermittlung als Prinzip eingeschrieben. 

 

Der Maler Matthias Körner (geb. 1954 in Cottbus) arbeitet seit 2005 immer wieder mit der Künstlerin zusammen, ab 2013 rückt der künstlerische und dokumentarische Film in den Fokus seines Interesses. Für die hiesige Präsentation begleitete er einen Tag lang filmisch Rehema Namale, eine allein erziehende Mutter, in ihrem Alltag. Neben der Versorgung ihrer sechs Kinder mit Nahrung und Bildung besteht dieser auch aus der Tätigkeit bei der Künstlerin Hellen Nabukenya. 

 

Hellen Nabukenya lebt und arbeitet in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Nach ihrem Studium an der Kyambogo University in Kampala (EFFH: Abschluss in Textildekoration und Styling) begründete sie das Art Punch Studio mit, ein Atelier und Ausstellungsraum in Kampala. Ihre Arbeiten wurden bisher in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Südafrika und Uganda ausgestellt. 

 

Im Jahr 2019 führte eine der Kunstreisen des Erfurter Kunstvereins die Mitglieder in das 

Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus. Die dort gesehene Ausstellung von Hellen Nabukenya hinterließ einen derart nachhaltigen Eindruck, dass der Wunsch entstand, diese künstlerische Position auch in Erfurt zu zeigen. So haben wir Tuwaye – Let's Talk in unser Ausstellungsprogramm 2020 aufgenommen. 

Eine Ausstellung des Erfurter Kunstvereins in Kooperation mit der Kunsthalle Erfurt.

Schirmherrin der Ausstellung

LAURA WAHL

Mitglied des Thüringer Landtags 
(Sprecherin für Frauen und Gleichstellung, Bündnis 90/Die Grünen)

GRUSSWORT DER SCHIRMHERRIN

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Liebe Besucherinnen und Besucher,

Die Ausstellung „Hellen Nabukenya. Tuwaye – Let’s talk“ lädt dazu ein, in eine uns ferne Gesellschaft einzutauchen und nimmt uns als Besucher*innen zu den Lebensgeschichten von Frauen im fernen Uganda mit.

Die Künstlerin fertigt kunstvolle Teppiche aus Textilresten und gibt ihre handwerklichen Fähigkeiten an mittel- und arbeitslose Frauen weiter, damit sich diese eine unabhängige Existenz aufbauen können.  Beim Betrachten der Kunstwerke fällt auf, dass die Lebensrealitäten unserer Gesellschaften teils gar nicht so weit voneinander entfernt sind, wie es auf den ersten Blick oft scheint.

In Deutschland und Europa konnte man in den letzten Wochen und Monaten beobachten, dass viele Menschen ihre Nähmaschine wieder hervorgeholt und aus alten Stoffresten wunderbar bunte und verschiedene Masken genäht haben. Es ist beachtlich, wie viele innovative und unterschiedlichste Maskenmodelle doch in so kurzer Zeit beim Upcycling alter Stofffetzen und Drahtstücke entstanden sind.

In meinem persönlichen Umfeld fiel mir auf, dass es häufig Frauen waren, die sich in stundenlanger Arbeit die längst vergessenen Techniken wieder angeeignet haben. Dies führte zwar einerseits beim Gelingen zu vielen beglückten Momenten, kann aber auch als Ausdruck einer Retraditionalisierung unserer Rollenbilder gesehen werden, die erstaunlich schnell stattfand. Frauen reduzierten während des Lock-Downs häufiger ihre Arbeitszeit, um sich um Kinder oder Eltern zu kümmern und manche Forscher*innen befürchten trotz des verhältnismäßig kurzen Zeitraums dadurch noch lange Auswirkungen auf die unterschiedlichen Karrierechancen von Frauen und Männern in Deutschland.
Self-Empowerment bleibt daher überall auf der Welt für Frauen ein Thema: Sei es, um ein eigenständiges Leben ohne Abhängigkeiten zu führen oder sich von verbalen sexistischen Ausfällen nicht unterkriegen zu lassen.

Die multimediale Ausstellung lädt zum Fühlen, Hören und Sehen ein und bietet Möglichkeit, über die neuen gesellschaftlichen Erfahrungen der letzten Monate nachzudenken und zu diskutieren. Oder auch die bunten Kunstwerke einfach auf sich wirken zu lassen und den persönlichen Gedanken dazu nachzuhängen.

In diesem Sinne: lassen Sie sich inspirieren und fühlen Sie sich frei, das Gespräch mit anderen Gästen der Ausstellung zu suchen. „Tuwaye – Let's talk“ bietet jede Menge Anlass hierfür.

Mit freundlichen Grüßen,
Laura Wahl

Hellen Nabukenya, o.T. (Künstlerbuch), 2019, Moleskine Notizheft, verschiedene Textilien. 
Foto: Anton Mirwald. 


Hellen Nabukenya (mitte) mit Besucher*innen in der Ausstellung "Tuwaye - Let's talk"
im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus, 2019.

Hellen Nabukenya, Gyetuva (woher wir kommen), 2015–2018, Textilreste, Sisal. 
Foto: Papa Shabani

Hellen Nabukenya vor einer ihrer Wandarbeiten, Cottbus 2019.
Foto: Thomas Klatt

Mitglieder des Erfurter Kunstvereins beim Besuch der Ausstellung in Cottbus.
Foto: Kai Uwe Schierz.

| Mit freundlicher Unterstützung durch

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Die Ausstellung "Hellen Nabukenya. Tuwaye - Let's talk" wurde vom Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst produziert.

Adresse

Erfurter Kunstverein

c/o Kunsthalle Erfurt
Fischmarkt 7

99084 Erfurt

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag: 11–18 Uhr

Donnerstag: 11–22 Uhr

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